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Melanie Weber meistert erneut das Inferno-Bergrennen

TSV-Läuferin überwindet 2.000 Höhenmeter – mit einem Lächeln.

Das Strahlen in ihren Augen ist faszinierend, es ist noch mehr – ein Funkeln, wenn Melanie Weber von ihrer Teilnahme an dem sogenannten Inferno-Laufevent in der Schweiz erzählt. Bereits zum dritten Mal hat die Oftersheimerin diesen ganz besonderen Halbmarathon bergauf über 2.000 Höhenmeter auf das Schilthorn im Berner Oberland vor der einzigartigen Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau bewältigt. Und jedes Mal war sie völlig begeistert: „Es gibt für mich nichts Bereicherndes, als mitten in der rauen, faszinierenden Schöpfung das Gespräch mit Gott und Jesus zu finden.“

Schon immer sportlich sehr aktiv

Von Kindesbeinen an ist Melanie Weber eine Sportskanone, ein Lauftalent. Schon in ihrer Jugend holte sie für den TSV 1895 Oftersheim viele Siege, wurde mehrfach badische Meisterin, absolvierte auch mehrere Marathons. Noch heute startet sie für ihren Heimatverein. Irgendwann machten die Knie Probleme, die medizinische Behandlung verlief nicht wie gewünscht. Oder wie sie es ausdrückt: „Beide Knie sind angezählt, aber ich bin zufrieden.“ Aber losgelassen hat das Laufen Melanie Weber nie, irgendwann nahm sie wieder an dem einen oder anderen Straßenlauf teil. Nicht mehr ganz mit dem sportlichen Ehrgeiz wie in der Jugend, aber immer noch mit großer Freude am Laufen. Aber unter anderem belegte sie 1999 beim renommierten Heidelberger Halbmarathon den ersten Platz.

Irgendwann ermunterten sie Freunde und Bekannte: „Lauf doch mal den Inferno.“ Wo andere angesichts der durchweg bergauf führenden Strecke die Segel streichen würde, läuft sie mit Freude hoch. Denn der Berglauf kommt ihr entgegen. „Bergauf ist das Beste für meine Knie, runter geht gar nicht“, lacht sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber viel wichtiger ist ihr das persönliche Erlebnis, eine Art Selbstfindung mitten in faszinierender, wilder Natur. Das Gespräch mit Gott hilft ihr, die Herausforderungen zu bewältigen. „Ich finde dabei Lösungen für Fragen, das gibt mir Mut, Kraft und Stärke. Das ist der Kick.“

Intensives Training mit Himmelsleiter und Stairmaster

Und wie kann man so einen Berglauf trainieren? „Ich laufe oft die Himmelsleiter in Heidelberg hinauf“, erzählt die 52-Jährige. Und im Fitnessstudio gebe es einen Stairmaster, so eine Endlostreppe – eine kleine Vorbereitung auf die Steigungen am Schilthorn. Ganz besonders hart wird es dort bei Kilometer 16, wenn es richtig steil wird. Im Winter ist das eine anspruchsvolle Skipiste. „Da bist du am Weinen“, erzählt Melanie Weber. Aber da hilft auch die beeindruckende Gemeinschaft der Teilnehmer, die sich gegenseitig motivieren, helfen und unterstützen. Sie erinnert sich an vergangenes Jahr, als sie von Krämpfen geplagt war und ihr ein Mann mit Salztabletten das Weiterlaufen ermöglichte. „Diesmal hatte ich selbst welche dabei.“

Der „teuflische Berglauf“ ist für alle, die eine echte Herausforderung suchen

Der Berglauf führt mit über 2.000 Meter Steigung von Lauterbrunnen aufs Schilthorn. Der Start des Halbmarathons in Mürren befindet sich beim Camping Jungfrau, direkt unterhalb des Staubbachfalls, dem Wahrzeichen des Lauterbrunnen-Tals. Die ersten elf Kilometer präsentieren sich noch ziemlich „harmlos“, mit rund 800 Höhenmetern bloß mal ein Einlaufen. Gleich nach dem Sportzentrum Mürren geht es beim Inferno Halbmarathon dann zur Sache. Mit der Höhenlücke stellt sich den Kraxlern eine erste Wand in den Weg. Nach dem nochmals um zwei Kategorien steileren Kanonenrohr wartet eine zwei Kilometer lange, flache Geröllhalde, ehe die Athletinnen und Athleten des Inferno-Halbmarathons Mürren im rund 1,5 Kilometer langen Schlussaufstieg zum Schilthorn-Gipfel nochmals happige 400 Höhenmeter bewältigen müssen. Nicht umsonst wird der Inferno auch der „Teuflische Berglauf“ genannt.

Berühmter Gipfel sorgt für Tränen der Erleichterung

Das Schilthorn wurde übrigens durch den James-Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) weltbekannt, der hauptsächlich dort gedreht wurde und dessen fiktive Zentrale, Piz Gloria, bis heute den Namen des Gipfelrestaurants trägt. Durch die alpinen Bedingungen kann das Wetter am Wettkampftag auch unberechenbar sein. „Aber da hatte ich bis jetzt Glück“, erzählt Melanie Weber.

Und so kam sie auch dieses Mal relativ problemlos oben auf dem 2.970 Meter hohen Schilthorn an – nach rund 4:23 Stunden. „Das Allerschönste ist der Zieleinlauf, da kommen mir immer die Tränen. Man ist einfach erleichtert, dass man es geschafft hat.“ Und da war es wieder, das Strahlen, das Funkeln in den Augen von Melanie Weber.

Andreas Lin/Schwetzinger Zeitung

Fotos: alphafoto.com